Agroforstsysteme stabilisieren Erträge – zeigt Studie der Uni Hohenheim – Beitrag vom 27. Mai 2025

Agroforstsystem Binsensee Luftbild
Bild: Universität Hohenheim, Veronika Geisler
Quelle: www.presseportal.de

Im Schutz von Bäumen:
Agroforst stabilisiert landwirtschaftliche Erträge

Uni Hohenheim: Daten einer der ältesten Agroforst-Versuchsflächen in Deutschland zeigen Potenzial als widerstands- und zukunftsfähige Alternative im Klimawandel

Eine alte Anbaumethode erlebt ihr Comeback: die Agroforstwirtschaft. Die Kombination aus Bäumen und Sträuchern mit Ackerbau und Weidewirtschaft auf einer Fläche fördert nicht nur die Biodiversität. Sie macht auch landwirtschaftliche Systeme robuster gegen Klimarisiken. Besonders in den Tropen und Subtropen ist diese Methode längst etabliert. Eine Langzeitstudie der Universität Hohenheim in Stuttgart zeigt jetzt: Auch in gemäßigten Klimazonen können Gehölzreihen Ackererträge stabilisieren – selbst bei schwankender Verfügbarkeit von Wasser. Entscheidend ist dabei das richtige Zusammenspiel von Baumart, Abstand der Baumreihen, Bodenbeschaffenheit und klimatischen Bedingungen. Nachzulesen sind die Ergebnisse hier: https://doi.org/10.1007/s13593-025-01022-5

Hochsommer, die Sonne brennt, die Luft flirrt: Eine Gruppe Studierender der Universität Hohenheim stapft gemeinsam mit ihren Dozent:innen über die Felder der Versuchsstation Agrarwissenschaft am Ihinger Hof in Renningen.

Doch dann – eine Wohltat! Mitten im flimmernden Weizenfeld spendet ein grüner Streifen aus Hecken, Weiden und Walnussbäumen kühle Erleichterung. „Es ist ein Aha-Moment“, erklärt Olef Koch von der Koordinationsstelle Agroforstsystem-Forschung.

Gehölze regulieren Mikroklima

„Man kann viel über die positiven Effekte von Bäumen und Sträuchern lesen – aber hier draußen spürt man direkt, wie sehr diese Gehölze das Mikroklima verändern“, betont Olef Koch. „Sie mindern beispielsweise Temperaturextreme, Windgeschwindigkeit und Verdunstung.“

Ein Effekt, den sich zunehmend auch die europäische Landwirtschaft zunutze macht. Denn Dürreperioden und andere Folgen des Klimawandels fordern widerstandsfähige, vielfältigere Anbausysteme. Die Agroforstwirtschaft gilt als eine vielversprechende Strategie für die Landwirtschaft von morgen. Dabei teilen sich Bäume und Sträucher die Fläche mit landwirtschaftlichen Kulturen oder Weidetieren.

Agroforst in gemäßigten Breiten

Vor allem streifenförmige Agroforstsysteme mit weit auseinanderstehenden Gehölzstreifen, zwischen denen Nutzpflanzen kultiviert werden, erlauben eine mechanisierte Bewirtschaftung. Außerdem steigern sie die Wasser- und Nährstoffeffizienz und machen die Landwirtschaft robuster gegen Klimarisiken.

Die Sträucher und Bäume bringen aber auch Herausforderungen mit: Sie konkurrieren mit den Kulturpflanzen um Licht, Wasser und Nährstoffe. Besonders die Lichtkonkurrenz sorgt in gemäßigten Breiten häufig für Ertragseinbußen. Viele Kulturpflanzen in den gemäßigten Breiten sind auf sonnige Bedingungen gezüchtet – der Schatten der Bäume kann hier schnell zum Problem werden.

Während in warmen Klimazonen die Vorteile der Agroforstwirtschaft gut erforscht sind, fehlt es in den gemäßigten Breiten noch an Langzeitstudien. Bisher gibt es keine verlässlichen Datenreihen, die zeigen, wie sich die Methode langfristig auf die Erträge in extrem trockenen oder besonders feuchten Jahren auswirkt.

Ein wahrer Schatz: Langzeit-Daten einer der ältesten Agroforst-Versuchsflächen

Forschenden der Universität Hohenheim kam bei der Antwort auf diese Frage ein glücklicher Zufall zu Hilfe: Jahrelang schlummerte auf der Versuchsstation Ihinger Hof in Renningen nahezu unbeachtet eine der ältesten Agroforst-Versuchsflächen in Deutschland.

„Die Anlage geht auf die Pionierarbeit des früheren Fachgebiets ‚Allgemeiner Pflanzenbau‘ unter Prof. Dr. Wilhelm Claupein aus dem Jahr 2007 zurück“, erzählt Olef Koch. „Damals war Agroforst ein Nischenthema, und die Versuchsanlage geriet mit der Zeit fast in Vergessenheit.“

Doch zum Glück hielt das Team vor Ort die Fläche über die Jahre am Leben und sammelte 17 Jahre lang Daten. Wiederentdeckt wurde die Versuchsfläche schließlich durch die Aktivitäten der Koordinationsstelle Agroforstsystem-Forschung: „Heute ist das Interesse an Agroforst enorm», sagt Olef Koch, der die Daten ausgewertet hat. „Doch Bäume wachsen bekanntermaßen langsam. Was wir am Ihinger Hof vorgefunden haben, ist deshalb von unschätzbarem Wert.“

Unterschiedliche Ertragsmuster abhängig vom Gehölztyp

So konnten die Forschenden die Erträge von fünf Winterkulturen − Wintererbsen, Triticale, Wintergerste, Winterweizen sowie Raps − in sieben Vegetationsperioden zwischen 2012 bis 2023 analysieren.

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