Keyline Design richtig umsetzen: Mythen, Risiken und Erfolgsfaktoren – Beitrag vom 18. Juni 2026

Keyline Design mit Philipp Gerhardt
Bild: Youtube.
Quelle: youtube.com

Keyline Design gilt als Zukunftstechnologie für den Wasserrückhalt in der Landwirtschaft. Doch kann es halten, was es verspricht? Kann ich als Landwirt Keyline Design einfach anwenden oder als Kommune für den Hochwasserschutz einsetzen? Dr. Philipp Gerhardt hat Keyline Design in Mitteleuropa bekannt gemacht, es weiterentwickelt und zahlreiche Wässersysteme geplant und realisiert. In diesem Video erklärt er, was Keyline Design wirklich ist und wie es geplant und umgesetzt werden muss, damit es vor Erosion, Sturzfluten, Hochwasser und sogar Dürre schützen kann.

Keyline Design soll Wasser besser in der Fläche halten, aber anders als klassische Ansätze des dezentralen Wasserrückhalts auch die Produktivität der Landwirtschaft erhalten und nachhaltig gegen Klimafolgen stabilisieren. Landwirte und Wasserwirtschaft könnten damit viel gewinnen, laufen aber auch Gefahr, ihre Ziele zu verfehlen, wenn die Methode schematisch oder fachlich unzureichend angewendet wird.

Philipp Gerhardt macht deutlich, dass das klassische, vereinfachte Verständnis von Keyline Design mit «Schlüsselpunkt» (Keypoint) und „Schlüssellinie“ (Keyline) in der Praxis oft versagt: Wird die Originalmethode unkritisch übertragen, kann sie Erosion auslösen, Abflüsse unberechenbar konzentrieren und die Landwirtschaft behindern.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Weiterentwicklung der Methode. Philipp Gerhardt stellt vor, wie die Idee des Keyline Designs neu interpretiert wurde und ein Planungsansatz entstanden ist, der moderne landwirtschaftliche Wässersysteme ermöglicht: Effizient und nachhaltig für die Landwirtschaft von bio bis konventionell – sicher und effektiv für den Hochwasser-, Sturzfluten- und Erosionsschutz.

Das Video zeigt die Entwicklung vom Australier P. A. Yeomans, der frühere europäische Traditionen der Feld- und Wiesenwässerung aufgriff und den Begriff Keyline Design prägte, über die traditionellen Wasserallmenden bis zum heutigen Stand der Technik, der moderne Erkenntnisse aus Hydrologie, Ingenieurwesen und Agrarforschung verbindet.

Um die Klimafolgen von Starkregen und Dürre wirksam abzufedern, darf „Keyline Design“ kein hohles Schlagwort sein, unter dem alle möglichen Experimente verkauft werden. Landwirte und Gemeinden brauchen Fachleute, die beide Seiten verstehen und Systeme planen und umsetzen können, die sicher und funktional sind und sich auf großen Äckern ebenso realisieren lassen wie im Grünland oder auf kleineren Flächen. Sie müssen für den Wasserrückhalt taugen und zugleich im ökologischen wie im konventionellen Landbau funktionieren.

Da Wässersysteme viele Funktionen gleichzeitig erfüllen müssen und die Zahl der Anbieter von «Keyline Design» steigt, stellt Dr. Philipp Gerhardt klare Kriterien vor, die es Entscheidern in Gemeinden und Behörden, Wasserwirtschaft und Ländlicher Entwicklung, aber auch Landwirten ermöglichen, die Qualität von Angeboten und Planungen einzuschätzen.

Das Fazit: In den kommenden Jahren können Wässersysteme viel zur Klimaanpassung beitragen, wenn Wasserverteilung, Retentionsvolumen, Standsicherheit, Be- und Entwässerung sowie die effiziente Bewirtschaftung sichergestellt werden. Dafür braucht es weit mehr als nur Furchen entlang der Geländekontur, einfache Sickermulden oder Baumreihen.

Der Teufel steckt im Detail. Genau dort entscheidet sich, ob ein Wässersystem nur gut aussieht oder in der Praxis über Jahrzehnte sicher, wirksam und landwirtschaftlich nutzbar bleibt.

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