Zielkonflikt Produktion und Biodiversität: «Permakultur ist die Lösung» – Beitrag vom 16. September 2026

Permakulturfläche auf dem Hof Hegisau
Foto: Kathrin Lenz
Source : www.bauernzeitung.ch

Kleinräumige Mischkulturen leisten mehr, als der Flächencode 725 anerkennt, so die Kritik aus der Praxis. Permakultur sei die Lösung für den Zielkonflikt zwischen Produktion und Biodiversität, sagen Betriebsleiter.

«Wir wollen richtig gute Tutti-Frutti-Produzenten werden», sagt Roland Lenz. Eine bemerkenswerte Aussage für einen Weinbauern. Wenn man aber in seinen Rebbergen in Uesslingen TG steht – die er lieber als Weingärten bezeichnet, um ihrer Diversität gerecht zu werden –, ist die Herkunft des Tutti-Fruttis keine Frage mehr.

Hier wachsen neben Rebstöcken zahlreicher Sorten auch Haselnüsse, Mandeln, Kaki, Maulbeeren und weitere Fruchtbäume. In breiten Streifen zwischen den Rebreihen betreibt Lenz zusätzlich auf insgesamt 1,5 ha Ackerbau. Hafer und Dinkel sind bereits geerntet. Daraus gibt es Haferflocken für Birchermüesli bzw. Mehl und Gebäck für das Bistro des Betriebs. Körnersorghum steht Ende August noch. Später landet auch diese Ernte auf den Tellern der Bistrobesucher.

Gleicher Ertrag mit einem Drittel weniger Fläche

Für Roland Lenz sind seine Weingärten eine Form der ökologischen Intensivierung. Sie erlauben ihm, auf einem Drittel weniger Fläche denselben Traubenertrag bei gleichbleibender Qualität zu erzielen. Hinzu kommt die diversifizierte Produktpalette. Das rechnet sich, was zentral ist für den Betrieb. «Schliesslich haben wir 14 Mitarbeitende, deren Löhne zu bezahlen sind», bemerkt Lenz. Sein Ziel seien 250 000 Flaschen Wein pro Jahr. 2026 kann er ausserdem 1500 250-g-Säckchen Tutti-Frutti direktvermarkten.

«Ich kann es mir nicht leisten, konventionell zu arbeiten»

Zentral für den Erfolg dieses Systems ist der Bodenaufbau mit steigenden Humusgehalten – dank Verzicht auf Pflanzenschutzmittel, Vermeidung von Verdichtung, gezieltem Komposteinsatz und ständiger Bedeckung – und die positiven Effekte der Biodiversität in den Weingärten. So sorgen Fledermäuse zusammen mit den dicken Zellwänden der Piwi-Trauben dafür, dass Schäden durch Kirschessigfliege und Traubenwickler ausbleiben.

«Ich kann es mir nicht leisten, konventionell zu arbeiten», erklärte Roland Lenz einer Schar Besucher, die einer Einladung der Forschungsgruppe Permakultur der HAFL gefolgt waren. Das Thema des Tages: Permakultur in der Praxis sowie die Vor- und Nachteile des Flächencodes 725.

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