Wie Permakultur im Emmental aussehen kann – Beitrag vom 16. Oktober 2026

Koehlern
Bild: Isabelle Egender
Source : www.hochparterre.ch

Von Baumwipfeln und Hügeln umgeben, auf der Kuppe oberhalb der Gemeinde Trub, sitzt der Hof Balmeggberg. Wir sind im Emmental, einer voralpinen Landschaft mit einem weichen Relief, viel Wald und Nagelfluh, die an den steilen Wänden hervortritt. In der Weite im Süden sieht man die markante Schrattenfluh, sie definiert den Übergang zum Entlebuch. Mit etwa 40 Studierenden der Landschaftsarchitektur sowie Dozierenden kommen wir am Dienstagnachmittag auf dem Hof an. Trotz bedecktem Himmel ist es relativ warm. Die nächsten vier Tage werden wir hier auf dem Hof essen, schlafen und lernen, wie Permakultur als Bewirtschaftungs- und Gemeinschaftsprinzip angewendet wird.

Zirkulierende Prozesse

Das systemische Denken, wie wir es auch sonst aus den Inhalten unseres Studiums, etwa der Landschaftsökologie, kennen, ist ein zentraler Teil der Permakultur. Land, Wasser und Luft sind Elemente, die wir alle gemeinsam nutzen als Bausteine des sozialen und ökologischen Systems. Und alle sind sie bestimmt von zirkulierenden Prozessen. Auf dem Balmeggberg erleben wir verschiedene Arten dieser Prozesse. Besonders wichtig ist der Kreislauf der Nährstoffe. Dabei kanalisieren mehrere Teilsysteme Nährstoffe in den Garten. Die Tiere, in diesem Fall Ziegen, können als Wiederkäuer die langkettigen Kohlenstoffe im Gras und in Blättern spalten und die darin enthaltenen Nährstoffe verfügbar machen. Zusammen mit Abfällen aus der Küche landet ihr Kot auf dem Kompost. Sobald dieser sich zu Erde zersetzt hat, wird er mit dem Mist von Laufenten in den Garten eingebracht. Das Gemüse aus dem Garten kommt auf den Teller der Hofbewohnenden, die mittels Komposttoiletten ihren Stuhl ebenfalls zu Gartenerde umwandeln – so schliesst sich der Kreis.

Das Holz, das auf dem Hof verbaut ist und in regelmässigen Abständen ersetzt wird, lässt sich zu Pflanzenkohle verarbeiten. Diese wird auf Weiden und Wiesen zur Verbesserung des Bodens eingebracht. Gleichzeitig kann sie aufgrund ihrer physikalischen und chemischen Eigenschaften auch im Kompost mit Nährstoffen aufgeladen werden. Die aufgeladene Kohle dient im Anschluss wiederum im Garten als Dünger.

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Planen in der Permakultur

Räume für kollektive Nutzung sollten auch kollektiver Schöpfung entspringen. Eine einzelne Person kann unmöglich alle Perspektiven und Bedürfnisse kennen. Im landschaftsarchitektonischen Entwurf wird nicht nur der physische Raum gestaltet, sondern auch das darin lebende soziale und ökologische System. Menschen treten hier nicht nur miteinander in Beziehung, sondern auch mit der Natur. Es gibt keine ‹one size fits all›-Lösung, die übertragbar ist auf jeden Standort. Wir glauben, eine Auseinandersetzung mit den lokalen Gegebenheiten ist wichtig, um Orte zu schaffen, die sozial, ökologisch und kulturell Sinn ergeben und sich weiterentwickeln können. 

Damit ist die Permakultur eine Haltung, die für Projekte in urbanen Räumen ebenso wie in ländlichen Gebieten wichtig ist. Mit ihr haben wir ein Denken erlebt, das nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch bei Plätzen, Parkanlagen und anderen Freiräumen ein Wegweiser für deren Planung sein kann.

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