Klimaresiliente Landwirtschaft – Wie sind widerstandsfähige Agrarökosysteme möglich? Beitrag vom 05. August 2026

Trockener Ackerboden
Bild: Gaudenz Hurter
Source : www.sektion-landwirtschaft.org

Der Juni 2026 war in Westeuropa der heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und weltweit der zweitwärmste. Längst ist der Klimawandel Realität und macht sich zunehmend deutlicher bemerkbar – mit erheblichen, teilweise verheerenden Folgen für die Landwirtschaft. Weltweit steigen die Häufigkeit und Intensität extremer Wetterereignisse. In Europa gehen Hitzewellen mit Temperaturen von über 40°C häufig mit langanhaltenden Dürreperioden einher. Andernorts führen Starkregen zu Überschwemmungen und Erdrutschen. Diese Extremereignisse belasten Böden, Kulturen und Nutztiere erheblich. Unabhängig von Kontinent oder Produktionssystem stehen heute alle Landwirt:innen vor derselben Frage: Wie können landwirtschaftliche Betriebe widerstandsfähiger gegenüber klimabedingten Risiken werden?

Praxisbeobachtungen und eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Studien zeigen, dass Ansätze aus der Agroökologie, dem ökologischen Landbau und der biodynamischen Landwirtschaft dazu beitragen können, die Auswirkungen dieser Veränderungen abzumildern (Altieri et al., 2015; Santoni et al., 2022; Rigolot & Quantin, 2022). Gemeinsam ist diesen Ansätzen, dass sie nicht die kurzfristige Maximierung der Erträge in den Mittelpunkt stellen, sondern die Resilienz landwirtschaftlicher Ökosysteme. Gemeint ist damit die Fähigkeit eines Agrarökosystems, trotz Störungen, Unsicherheiten und klimatischer Schwankungen seine Funktionsfähigkeit zu erhalten.

Vielfältige Betriebssysteme

Ein erster Schlüssel zur Resilienz liegt in der Diversifizierung landwirtschaftlicher Systeme. Die Kombination von Ackerbau, Tierhaltung, Obstbau, Gemüsebau und naturnahen Elementen wie Hecken, Wiesen, Teichen oder Feldgehölzen fördert vielfältige Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Bestandteilen des Betriebes.

Bäume spenden empfindlichen Kulturen und Nutztieren Schatten und mindern gleichzeitig die austrocknende Wirkung des Windes. Ihre Wurzeln erschließen unterschiedliche Bodenschichten und verbessern so die Wasserspeicherung und Stabilität des Bodens. Verschiedene Kulturpflanzen reagieren zudem unterschiedlich auf Wetterextreme. Ihre Vielfalt verringert das Risiko gleichzeitiger Ernteausfälle und verteilt die Produktion über einen längeren Zeitraum.

Dieser Ansatz entspricht sowohl dem biodynamischen Leitbild des landwirtschaftlichen Organismus als auch den Prinzipien der Agroforstwirtschaft, der Permakultur und der syntropischen Landwirtschaft, die darauf abzielen, komplexe, sich selbst tragende und widerstandsfähige Agrarökosysteme wiederherzustellen (Jacobi et al., 2025).

Neben der Verringerung von Risiken erzeugen vielfältige Systeme in der Regel mehr Biomasse und fördern die Speicherung von Kohlenstoff im Boden. Die Anreicherung organischer Substanz verbessert schrittweise die Bodenstruktur, erhöht die Wasseraufnahme- und Wasserspeicherfähigkeit und trägt dazu bei, die Oberböden kühler zu halten. All dies sind entscheidende Eigenschaften, um Dürreperioden und Hitzewellen besser zu überstehen.

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