Hitze und Wind setzen unseren Äckern zu. Alte Baumreihen und neue Experimente zeigen: Manchmal reicht eine einfache Idee, um die Landwirtschaft zukunftsfähig zu machen.
Olef Kochs Rücken schmerzt. Seit anderthalb Stunden drückt und hebt er einen rund 30 Kilogramm schweren Bohrer, um Löcher in die harte Erde zu bohren. Und das an einem Dezembermorgen, bei einem Grad und Nieselregen, auf einem Feld in Stuttgart. Sein T-Shirt klebt an seinem Rücken. In die Löcher werden Koch und sein Team Bäume pflanzen: Esskastanien, Haselnüsse und Äpfel. Jeder Baum soll das Mikroklima für das angebaute Getreide etwas milder machen.
Wenn Koch nicht gerade Bäume pflanzt, forscht er an der Universität Hohenheim zur Agroforstwirtschaft. Eine alte Methode, bei der Landwirte Bäume und Sträucher auf Äckern und Wiesen pflanzten oder ihre Tiere im Wald weiden liessen. Doch mit der Intensivierung der Landwirtschaft wurden ab den 1950er-Jahren auch die Maschinen immer grösser. Die Bäume störten und wurden immer mehr von den Feldern verbannt.
Heute gibt es deshalb kaum noch Agroforst, dabei hätte er viele Vorteile – gerade in einer Welt, die immer wärmer und trockener wird. Mit Bäumen auf den Feldern könnten Erträge trotz Klimawandel stabil bleiben. Die Felder würden weniger Wasser verlieren. Die Bäume böten Insekten und anderen Tieren Lebensräume. Und trotzdem setzen nur wenige Landwirtinnen darauf. Zu teuer, zu aufwendig, zu kompliziert – sagen sie.
Doch langsam läuft die Zeit davon. Denn die industrielle Landwirtschaft zerstört ihre eigene Lebensgrundlage und damit die der Menschheit: den Boden. Neun Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in Europa sind bereits in einem katastrophalen Zustand. Die Böden verlieren Nährstoffe, sind überdüngt, die Erde wird von Wind und Wasser abgetragen.
Die gute Nachricht: Bäume und Sträucher können den Wind abschirmen. Ihre Wurzeln stabilisieren das Erdreich und verhindern Schlammfluten. Sie sorgen dafür, dass der Boden länger Wasser speichert. Zudem binden Bäume und Sträucher CO2 ober- und unterirdisch und könnten so bis zu 43 Prozent der landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen in Europa ausgleichen.
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Die im Mai 2025 publizierten Ergebnisse von Koch zeigen: Baumreihen stabilisieren die Erträge über lange Zeiträume – selbst bei Trockenheit. Dabei dienen sie als Schutzschild gegen den Wind. Die Erträge fielen 12 bis 18 Meter entfernt von den Reihen am höchsten aus. Getreide, Raps und Co. profitieren am meisten davon, dass die Bäume die Luft kühlen und den Boden feucht halten. In der Mitte des Feldes ist diese Wirkung wieder geringer. Und direkt an den Reihen ebenfalls: Hier konkurrieren Bäume und Hecken mit den Feldfrüchten um Licht und Nährstoffe. Wie man Bäume und Sträucher richtig mit Äckern kombiniert, sei also bekannt.
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