Einfluss unterschiedlicher pH im Komposttee auf Ertrag, Blattsaft, Boden und Pflanzengesundheit
Publikation
11.08.2023
Autorinnen / Autoren
Monika Freiburghaus
BFH-HAFL
Zusammenfassung
Die Nachfrage nach Futterpflanzen und Nahrungsmittel steigt weltweit kontinuierlich (Ray et al. 2013). Einerseits aufgrund der rasant wachsenden Weltbevölkerung, anderseits aufgrund Wohlstandsverschiebungen und daraus resultierende Ernährungsveränderungen (Ray et al. 2013). Es wird damit gerechnet, dass bis ins Jahr 2050 die Produktion um 50-110% gesteigert werden muss, um diese Nachfrage decken zu können (Tilman et al. 2011; Ray et al. 2013; FAO 2021). Vor ähnlichen Herausforderungen stand die Landwirtschaft bereits Anfang des 20. Jahrhunderts, konnten jedoch durch die grüne Revolution grösstenteils bewältigt werden (Krebs und Bach 2018). Fortschritte in Pflanzenzüchtung und Maschinenbau, sowie die Erfindung von Mineraldüngern und chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln hatten dabei den grössten Einfluss und brachten höhere Erträge, geringere Arbeitsaufwände und verbesserte Nahrungsmittelqualität und -sicherheit mit sich (Krebs und Bach 2018). Die damit ausgelösten Eingriffe in das gesamte Ökosystem der Erde zeigten sich erst Jahre später unter anderem mit Bodendegradation, Biodiversitätsverluste, schwindenden Wasserreservoirs, Klimaerwärmung, Zunahme von Treibhausgasemissionen, Resistenzen und Gesundheitsproblemen (Mollison und Holmgren 1984, 18–19; Foley et al. 2005; Hathaway 2016; Krebs und Bach 2018). In der Schweiz zeigt sich seitens der Bevölkerung ein zunehmender Druck auf die Landwirtschaft in Bezug auf den Einsatz von Pflanzenschutzmittel, welche nachweislich Rückstände in der Umwelt und an Nahrungsmitteln hinterlassen (Tamm et al. 2018). Vom Bundesrat wurde am 06. September 2017 der Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmittel verabschiedet mit dem Ziel, einer Risikoreduktion von 50% und der Förderung von Alternativen (BLW 2023). Am 13. April 2022 wurde zudem vom Bundesrat die parlamentarische Initiative 19.475 angenommen, welche Massnahmenpakete unter anderem in Bezug auf Pflanzenschutzmittel- und Nährstoffreduktionen, Förderung von Biodiversität und bodenschonenden Anbautechniken beinhaltet (BLW 2022). Ressourcenschonende und nachhaltige Alternativen sind Folge dessen gefragt, um Pflanzen gegen Schädlinge und Krankheiten zu stärken. Eine solche Alternative kann der Einsatz von Komposttee, einem wässrigen Kompost-Auszug voller Mikrobiologie, bieten. Die Pflanzen werden durch eine Blatt- und/oder Bodenapplikation mit Komposttee vitalisiert und gestärkt, sowie die Mikrobiologie im Boden verbessert (Ingham 2005, 23). Der pH-Wert einer Pflanze hat Einfluss auf deren Gesundheit und Abwehrkräfte, wobei bei einem pH von 6.4 eine gute Pflanzenernährung und entsprechend Pflanzengesundheit vorherrscht (Nimmrichter 2021). Reifer Kompost hat einen pH zwischen 7.5 bis 8.5 (Agridea 2013). Der pH beim Leitungswasser in der Schweiz liegt um 7.5 (SVGW 2022; ewb 2023). Beim Brauverfahren von Komposttee steigt der pH grundsätzlich etwas an, abhängig von der Zusammensetzung des Komposts (Kim et al. 2015).Im Hauptversuch dieser Arbeit wird aufgrund dieser pH-Diskrepanz der Effekt von Komposttee, einerseits mit und anderseits ohne pH-Senker im Gewächshaus auf Radiesli und Spinat untersucht. Dabei sollen folgende Forschungsfragen beantwortet werden: – Hat der Einsatz eines pH-Senkers im Komposttee einen signifikanten Einfluss auf verschiedene Parameter (Ertrag, pH/EC/Redox der Spritzbrühe, Temperaturunterschiede Blatt zu Luft, Blattsaftmessungen, Bodenfruchtbarkeit, Pflanzengesundheit) im Vergleich zum normalen Kompostteeverfahren? – Hat der Einsatz von Komposttee (mit und ohne pH-Senker) einen signifikanten Einfluss auf verschiedene Parameter (Ertrag, pH/EC/Redox der Spritzbrühe, Temperaturunterschiede Blatt zu Luft, Blattsaftmessungen, Bodenfruchtbarkeit, Pflanzengesundheit) im Vergleich zur Kontrolle? In zusätzlichen Nebenversuchen wird einerseits zusätzlich die Wirbelrichtung von Wasser in der Komposttemaschine auf Unterschiede in pH, EC und Redox angeschaut. Anderseits werden zwei Kompostteemaschinen mit ihren Rezepturen auf den Einfluss (k)einer vorgehenden Wasserbelüftung (24h) auf pH, EC, Redox und die mikrobielle Aktivität verglichen.
Mots-clés
Komposttee
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