Eingereichter Text
Agrarökologie wird zunehmend als wegweisendes Konzept für die dringend notwendige Transformation der Ernährungssysteme anerkannt Auch der Bund beschäftigt sich damit, zum Beispiel im Kontext des Food Systems Summits 2021 der UNO.
Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:
1. Teilt der Bund die Ansicht, die Agrarökologie sei ein wichtiger Bestandteil für die notwendige Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme in Übereinstimmung mit den Nachhaltigkeitszielen der UNO-Agenda 2030?
2. Bei der Beantwortung der Interpellation 21.3913 bezieht sich der Bund auf die 13 Grundsätze der Agrarökologie gemäss Bericht des» High Level Panel of Experts on Food Security and Nutrition » (HLPE 2019). Welche Bedeutung misst der Bundesrat dieser Form der Agrarökologie in der kommenden Agrarpolitik bzw. bei der Beantwortung der Postulate 20.3931 und 21.3015 zu?
3. Teilt der Bund die Auffassung, dass die Nachhaltigkeitsziele der UNO-Agenda 2030 effizient mit der Ausdehnung der Anteile agrarökologischer Produktionssysteme zu erreichen sind?
4. Wenn ja, wie setzt er dies in der kommenden Agrarpolitik um? Ist der Bundesrat gewillt, wie die Europäische Union auch Flächenziele für Bio oder andere Formen vorzusehen (EU-Flächenziel für Bio: 25 Prozent bis 2030)?
Begründung
Die offizielle Schweiz spielt international eine wichtige Rolle in der Förderung der Agrarökologie und nachhaltiger Ernährungssysteme. Sie unterstützt aktiv das 10-Jahres Programm zur Förderung nachhaltiger Konsum- und Produktionsmuster von FAO und UNEP und beteiligt sich aktiv am Aufbau einer Plattform zu agrarökologischen Ansätzen in der internationalen Agrarforschung. Der Money Flow Bericht von Biovision und iPES Food zeigte auf, dass die Mehrheit der von der DEZA unterstützen Forschungsprojekte im Bereich Landwirtschaft agrarökologische Elemente enthalten. Am UNO-Ernährungssystemgipfel im September dieses Jahres engagierte sich die Schweiz für einen Kurswechsel auf Basis agrarökologischer Grundsätze. Bundespräsident Guy Parmelin bekannte sich in seiner Ansprache am Gipfel ausdrücklich zur Förderung der Agrarökologie in der internationalen Zusammenarbeit der Schweiz. Die Schweiz ist zudem unter den erstunterzeichnenden Staaten einer neu gegründeten Koalition von Regierungen und Organisationen, die in den kommenden Jahren agrarökologische Ansätze in Forschung, Politik und bei Investitionen stärken will. In der Schweizer Landwirtschaftspolitik ist die offizielle Schweiz zögerlicher. Der von der Schweiz am UNO-Ernährungssystemgipfel unterbreitete nationale Transformationspfad zur Erreichung der Ziele der Agenda 2030 erwähnt Agrarökologie nur am Rande. Bei der geforderten Weiterentwicklung der Schweizer Agrarpolitik in Richtung einer ganzheitlichen Politik für gesunde Ernährung und nachhaltige Lebensmittelproduktion stellt die Agrarökologie jedoch eine grosse Chance dar: als Systemansatz, der Konsum und Produktion, gesunde Lebensmittel in einer gesunden Umwelt, Forschung und förderliche Rahmenbedingungen zusammen denkt.
Stellungsnahme des Bundesrates vom 16. Februar 2022
1. Der Bundesrat hat im Juni 2019 in seinem Bericht in Erfüllung des Postulates 19.3855 festgehalten, dass trotz breiter Anstrengungen weiterer Handlungsbedarf besteht, um die Ernährungssysteme in der Schweiz und weltweit nachhaltiger zu gestalten und damit zur Umsetzung der Agenda 2030 beizutragen. Er folgert, dass ein ganzheitlicher Ernährungssystemansatz erforderlich ist, um die verschiedenen Herausforderungen integriert anzugehen und nennt dabei die Agrarökologie als möglichen Ansatz. Weiter hat der Bundesrat in seiner Antwort auf die Interpellation von Nationalrätin Badertscher (21.3913) konkretisiert, dass er die Agrarökologie als entscheidenden Ansatz für die Erreichung der Transformation hin zu nachhaltigeren Ernährungssystemen betrachtet. Er betont darin sein Engagement, diesen Ansatz im internationalen Kontext durch internationale Zusammenarbeit und im Rahmen internationaler Institutionen zu stärken.
2. Der Bundesrat wird in seinem Bericht in Erfüllung der Postulate 20.3931 und 21.3015 die agrarökologischen Prinzipien bei seinen Vorschlägen für die Weiterentwicklung der Agrarpolitik berücksichtigen.
3. Der Bundesrat teilt die Auffassung, dass die Nachhaltigkeitsziele der UNO-Agenda 2030 unter anderem mittels der Ausdehnung der Anteile agrarökologischer Produktionssysteme zu erreichen sind. Das Diskussionspapier «Agroecology as a means to achieve the Sustainable Development Goals» des schweizerischen nationalen FAO-Komitees zeigt auf, wie die Schweiz bei ihrem Auslandsengagement durch Förderung von Agrarökologie einen substanziellen Beitrag zur Erreichung der Agenda 2030 leisten könnte. Weiter hat der Bundesrat am 23. Juni 2021 die Strategie Nachhaltige Entwicklung 2030 (SNE 2030) verabschiedet und darin auch Ziele zur Transformation der Ernährungssysteme mit entsprechenden Stossrichtungen für die nationale Ebene festgelegt. Zur Stärkung der Resilienz der Ernährungssysteme hat er unter anderem auf die Ausnutzung der agrarökologischen Prinzipien verwiesen. In diesem Rahmen wird sich der Bundesrat weiter mit Agrarökologie auseinandersetzen.
4. Der Bundesrat wird in Erfüllung der Postulate 20.3931 und 21.3015 einen Bericht zur zukünftigen Ausrichtung der Agrarpolitik vorlegen. Insgesamt wurden im Jahr 2020 17 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche nach den Grundsätzen des biologischen Landbaus bewirtschaftet. Im Jahr 2010 lag diese Zahl bei 10,6 Prozent.
Vor diesem Hintergrund stellt der Bundesrat fest, dass sich der biologische Landbau in der Schweiz stetig und dynamisch entwickelt und mit der Nachfrage Schritt hält. Das Fördersystem des Bundes ist gut ausgebaut und der Bundesrat ist der Ansicht, dass es für ein weiteres gesundes Wachstum keines staatlichen Flächenziels bedarf. Dasselbe gilt auch für andere spezifische Produktionssysteme. Der Bundesrat hat hingegen im Rahmen der SNE 2030 unter anderem das breiter gefasste Ziel formuliert, dass bis 2030 der Anteil der Landwirtschaftsbetriebe, die unter Verwendung spezifischer öffentlich-rechtlicher und privater Nachhaltigkeitsprogramme besonders umwelt- und tierfreundlich produzieren, im Vergleich zu 2020 um einen Drittel wächst.
Status
Erledigt vom Ständerat am 14. März 2022