Wenn aus Grünabfällen fruchtbarer Boden, und aus Holz Kohle wird – Beitrag vom 21. Oktober 2026

Bernhard Hänni
Bild: Samuel Otti
Quelle: www.bauernzeitung.ch

Kompost und Pflanzenkohle standen im Zentrum des Fokustages vom Bioforum Schweiz. Zwei unterschiedliche Verfahren mit demselben Ziel: Nährstoffe und Kohlenstoff möglichst lange im betrieblichen Kreislauf behalten.

Beim Fokustag «Kompost, Keime und Kohlenstoff», organisiert vom Bioforum Schweiz in Noflen BE in Zusammenarbeit mit Carbonontour, lernten die Teilnehmenden zwei unterschiedliche Verfahren kennen. Während bei Bernhard Hänni die fermentative Kompostierung im Mittelpunkt stand, zeigte Jürg Glauser in seiner Biobaumschule, wie sich mit einer Pyrolyseanlage aus Holz gleichzeitig Heizenergie und Pflanzenkohle gewinnen lassen.

«Sollten Grünabfälle nicht eher als grünes Gold bezeichnet werden?» Diese Frage hörte Bernhard Hänni bereits in seinem ersten landwirtschaftlichen Lehrjahr von seinem Lehrmeister. Heute beantwortet der Biogemüsegärtnermeister die Frage mit einem klaren Ja. Auf seinem Hof Chrömeli in Noflen BE wird nahezu alles pflanzliche Material, das bei der Gemüseproduktion anfällt, gesammelt, aufbereitet und wieder in den Boden zurückgeführt.

Ohne Kühe musste eine neue Lösung her

Auf dem Hof Chrömeli wird seit 1969 biologisch gewirtschaftet. Damals stellten Hans und Käthi Hänni-Liechti ihren Milchviehbetrieb auf biologische Produktion um. Sohn Bernhard entwickelte den Hof später zu einem spezialisierten Gemüsebaubetrieb weiter. Gemeinsam mit seiner Frau Iris und der Tochter Lorena bewirtschaftet er heute rund 5,5 Hektaren.

Die Aufgabe der Milchviehhaltung im Jahr 1999 brachte eine grundlegende Veränderung. Mit den Kühen verschwanden Mist und Gülle. Gleichzeitig fielen bei der Gemüseproduktion grosse Mengen Pflanzenreste an. Hänni musste sich überlegen, wie er seine Böden langfristig mit organischer Substanz versorgen konnte, ohne tierische Hofdünger einzusetzen.

Er begann, das Grüngut in einer eigenen Anlage zu kompostieren. Anfangs arbeitete er mit der klassischen aeroben Rotte. Die Kompostmieten wurden regelmässig, teilweise täglich, maschinell umgesetzt, um die Sauerstoffzufuhr zu fördern.

Am Schluss bleibt bei der Rotte wenig übrig

Doch mit dem Ergebnis war Bernhard Hänni nicht zufrieden. «Das Deprimierende am Kompostieren ist manchmal, dass man denkt eine schön grosse Menge zu haben. Am Schluss ist es aber nur noch ein Häufchen.»

Besonders die starke Erwärmung und die damit verbundenen Verluste an organischer Substanz und Stickstoff beschäftigten ihn. «Es gibt nichts gegen guten Kompost. Ich sage es jetzt überspitzt: An jedem Wölkchen, das aufgestiegen ist, hat man Freude gehabt, weil es Hitze war.»

Für ihn stellte sich die Frage, was während der Rotte mit den Nährstoffen geschieht. «Der Stickstoff, der veratmet wird, ist weg. Und den habe ich am Schluss nicht mehr in meinem Kompost.»

Tatsächlich können bei ungünstiger Rotteführung erhebliche Stickstoffmengen, insbesondere in Form von Ammoniak, verloren gehen. Hänni suchte deshalb nach einem Verfahren, das die Pflanzenreste zunächst konserviert, anstatt sie möglichst rasch abzubauen.

Fermentation statt Heissrotte

Seit 2003 beschäftigt sich Bernhard Hänni mit Effektiven Mikroorganismen, kurz EM. Daraus entwickelte er ein zweistufiges Verfahren, das sich deutlich von der üblichen Kompostierung unterscheidet.

Das Ausgangsmaterial stammt weitgehend vom eigenen Betrieb. Verarbeitet werden Ernterückstände, Rüstabfälle aus der Gemüseaufbereitung, Gras und weitere pflanzliche Reststoffe. Tierische Nebenprodukte oder zugekaufte Hofdünger werden nicht verwendet.

Zunächst müssen die unterschiedlichen Materialien möglichst gleichmässig aufbereitet werden. Dazu arbeitet Hänni mit dem Lohnunternehmen Hadorn Kompost zusammen. Ein Mischwagen zerkleinert und homogenisiert die Pflanzenreste. Gleichzeitig werden Effektive Mikroorganismen und etwas Steinmehl zugesetzt.

Lignin wird nicht abgebaut

Die Mikroorganismenmischung enthält unter anderem Milchsäurebakterien. Diese sollen den anschliessenden Fermentationsprozess in die gewünschte Richtung lenken.

Das aufbereitete Material wird in eine Fermentationsbox eingebracht, verdichtet und möglichst luftdicht mit einer Blache abgedeckt. Damit beginnt ein Vorgang, der sich mit dem Silieren von Grünfutter vergleichen lässt. Unter weitgehendem Sauerstoffabschluss wandeln Mikroorganismen leicht verfügbare Pflanzenbestandteile um. Dabei entstehen organische Säuren, insbesondere Milchsäure.

Der pH-Wert sinkt auf ungefähr drei bis vier. Die starke Ansäuerung hemmt unerwünschte Abbauprozesse und konserviert die Grünmasse. Eine intensive Erwärmung, wie sie bei der Heissrotte auftritt, findet nicht statt.

…

Gründüngung ist keine Nebenkultur

Die Gründüngung hat auf dem Hof Chrömeli einen besonders hohen Stellenwert. Statt einfacher Mischungen aus zwei oder drei Arten verwendet Bernhard Hänni teilweise Kombinationen mit bis zu 30 Pflanzenarten.

«Wir haben früher auch reine Phacelia oder Buchweizen gesät. Das machen wir nicht mehr. Wir haben immer eine Mischung.» Unterschiedliche Pflanzen bilden verschiedene Wurzelsysteme, durchwurzeln mehrere Bodenschichten und ernähren über ihre Wurzelausscheidungen die Mikroorganismen.

Die Gründüngung bringt zwar keinen direkten Verkaufserlös, produziert aber organische Substanz, hält den Boden bedeckt und fördert das Bodenleben. Dazu kommen die dauerhaft begrünten Fahrspuren zwischen den Gemüsebeeten. Auch dort wachsen Pflanzen, die über ihre Wurzeln organische Verbindungen in den Boden abgeben.

Bernhard Hänni versucht, möglichst wenig unbewachsenen Boden zu hinterlassen. Kompostwirtschaft und Gründüngung ergänzen sich: Der Kompost bringt bereits umgewandeltes organisches Material zurück, während die lebenden Pflanzen den Boden fortlaufend mit Wurzelausscheidungen und Pflanzenresten versorgen.

Drei Zentimeter können genügen

Konsequenterweise hat Bernhard Hänni auch die Bodenbearbeitung grundlegend verändert. Seit rund 14 Jahren arbeitet er mit dauerhaften Gemüsebeeten. Diese sind 1,25 Meter breit und werden von lediglich 25 Zentimeter breiten, dauerhaft begrünten Fahrspuren getrennt.

Die Maschinen fahren ausschliesslich auf diesen Spuren. Die eigentlichen Pflanzflächen werden nicht mit Rädern befahren. Weil geeignete Geräte fehlten, entwickelte Hänni gemeinsam mit einem Maschinenbauer einen speziellen Geohobel. Dieser schneidet die Vegetation auf den Beeten unmittelbar unter der Bodenoberfläche ab.

Die Wurzeln bleiben weitgehend erhalten. Nur eine dünne Schicht aus Pflanzenmaterial und Erde wird oberflächlich vermischt. «Die kleine, dünne Schicht, die man bearbeitet, ist das Wichtigste. Da genügen drei Zentimeter», betont Hänni.

Nach ungefähr zwei Wochen kann ein zweiter Arbeitsgang auf rund acht Zentimeter Tiefe folgen. Anschliessend lässt sich die nächste Kultur pflanzen. Auf den Pflug verzichtet Hänni vollständig. Wie sich diese Bewirtschaftung auswirkt, demonstriert er mit einem Spatenstich. Im Boden sind zahlreiche Wurzeln und Regenwurmgänge sichtbar, die bis in rund 40 Zentimeter Tiefe reichen.

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