Die Rolle des Regenwurms in der Landwirtschaft – Artikel vom 13. Januar 2026

Bodenprobe Regenwurm
Bild: FiBL, Thomas Alföldi

Text von www.wurmwelten.de:

Warum Lumbricus terrestris als Regenwurm ein Schlüsselorganismus im Ackerboden ist

Der Regenwurm ist einer der bekanntesten Bodenorganismen in der Landwirtschaft – und zugleich einer der am häufigsten unterschätzten. Dabei zeigen zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen, dass Regenwürmer eine zentrale Rolle für Bodenstruktur, Wasserhaushalt und biologische Aktivität spielen.

Besonders ein Regenwurm steht im Fokus der Agrarforschung: Lumbricus terrestris, der Gemeine Regenwurm. Dieser Beitrag zeigt, warum gerade dieser Regenwurm für Ackerböden in Deutschland so wichtig ist, wie er sich von anderen Regenwurmarten unterscheidet und welche Bewirtschaftungsmaßnahmen sein Vorkommen fördern können.

Regenwurmarten im Ackerboden – ein kurzer Überblick

In landwirtschaftlich genutzten Böden kommen verschiedene Regenwurmarten vor, die sich in Lebensweise und Wirkung deutlich unterscheiden. Fachlich werden sie meist in drei Gruppen eingeteilt:

  • Epigäische Regenwürmer, die in der Streu- und Mulchschicht leben,
  • endogäische Regenwürmer, die den oberen Mineralboden horizontal durchmischen,
  • anözische Regenwürmer, zu denen Lumbricus terrestris zählt.

Für die Landwirtschaft sind alle Regenwürmer relevant. Die nachhaltigste Wirkung auf den Ackerboden geht jedoch von anözischen Regenwürmern aus, da sie dauerhafte Bodenstrukturen schaffen, nicht etwa der epigäische Kompostwurm Eisenia fetida, wie oft vermutet wird.

Kompostwuermer Dendros
Bild: wurmwelten.de

Lumbricus terrestris: Der Regenwurm mit Tiefenwirkung

Der Gemeine Regenwurm (Lumbricus terrestris) ist der größte und bekannteste Regenwurm in mitteleuropäischen Ackerböden. Er lebt in dauerhaft angelegten, senkrechten Röhren, die bis in große Bodentiefen reichen können.

Typisch für diesen Regenwurm ist seine nächtliche Aktivität: Pflanzenreste werden von der Oberfläche in die Röhre gezogen und dort zersetzt. Dadurch transportiert der Regenwurm organische Substanz gezielt in tiefere Bodenschichten während seine Ausscheidungen Mineralien aus 2-3m Tiefe nach oben transportieren – ein Prozess, der durch Maschinen kaum nachgeahmt werden kann.

Welche Funktionen der Regenwurm im Boden erfüllt

Die Tätigkeit des Regenwurms wirkt sich auf mehrere bodenrelevante Prozesse aus:

  • Verbesserung der Bodenstruktur durch stabile Wurmröhren
  • Förderung der Wasserinfiltration, insbesondere bei Starkregen
  • Bessere Durchlüftung tieferer Bodenschichten
  • Unterstützung des Wurzelwachstums entlang vorhandener Röhren

Studien aus Deutschland zeigen, dass Böden mit aktiven Regenwurmpopulationen häufig eine höhere Aggregatstabilität und geringeren Oberflächenabfluss aufweisen. Wichtig ist dabei: Der Regenwurm wirkt unterstützend, nicht ersetzend. Er ergänzt eine angepasste Bewirtschaftung, ersetzt sie aber nicht.

Regenwurmvorkommen im Biobetrieb und in der konventionellen Landwirtschaft

Vergleichsstudien zeigen, dass Regenwürmer, insbesondere Lumbricus terrestris, in biologisch bewirtschafteten Flächen oft häufiger vorkommen. Ausschlaggebend sind dabei weniger ideologische Unterschiede als konkrete Faktoren:

  • regelmäßiger Eintrag organischer Substanz,
  • vielfältige Fruchtfolgen,
  • geringere Bodenbearbeitungstiefe.

Gleichzeitig belegen Untersuchungen, dass auch in konventionellen Betrieben stabile Regenwurmpopulationen möglich sind, wenn Bodenstruktur und Nahrungsangebot stimmen. Entscheidend ist nicht die Betriebsform, sondern der Lebensraum, den der Boden dem Regenwurm bietet.

Regenwurm und Bodenbearbeitung: Pflug oder pfluglos?

Der Pflug beeinflusst Regenwürmer nachweislich, insbesondere anözische Arten wie Lumbricus terrestris. Durch das Wenden des Bodens werden Wohnröhren zerstört, was sich negativ auf diese Regenwürmer auswirken kann.

Pfluglose oder reduzierte Systeme begünstigen den Regenwurm häufig, sind aber nicht in jedem Betrieb umsetzbar. Aus wissenschaftlicher Sicht kommt es vor allem auf Tiefe, Häufigkeit und Zeitpunkt der Bodenbearbeitung an.

Was Landwirte konkret für den Regenwurm tun können

Wer den Regenwurm im Ackerboden unterstützen möchte, kann mit überschaubaren Maßnahmen beginnen:

  1. Organische Substanz im System halten (Stroh, Zwischenfrüchte).
  2. Bodenverdichtung vermeiden, besonders bei feuchten Bedingungen.
  3. Bearbeitungshäufigkeit kritisch prüfen, wo möglich reduzieren.
  4. Boden ganzjährig bedecken, um Temperatur- und Feuchteschwankungen zu dämpfen.
  5. Fruchtfolgen erweitern, um unterschiedliche Wurzelräume zu schaffen.
  6. Langfristig denken: Der Regenwurm reagiert langsam, aber nachhaltig.

Fazit: Der Regenwurm als Indikator funktionierender Böden

Der Regenwurm ist kein Werkzeug, sondern ein Gradmesser. Wo Lumbricus terrestris regelmäßig vorkommt, ist der Boden in der Regel gut strukturiert und biologisch aktiv.

Beobachten Sie Ihren Boden. Finden Sie Regenwurmröhren, Wurmkot und lockere Strukturen, arbeitet das System für Sie. Kleine Anpassungen können dem Regenwurm helfen – und langfristig die Leistungsfähigkeit Ihrer Böden verbessern.

Literatur (Auswahl)

  • Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR): Bodenorganismen und Bodenfunktionen
  • Thünen-Institut: Bodenbiologie in Agrarsystemen
  • UFZ Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung: Regenwürmer als Indikatoren der Bodengesundheit
  • FAO (2019): Soil biodiversity – Status, challenges and potentialities
  • Edwards, C. A. & Bohlen, P. J. (1996): Biology and Ecology of Earthworms

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