Wege zur Wertschöpfung mit modernen Agroforstsystemen

Masterarbeit

Eine qualitative Analyse von Handelspraktiken in Deutschland

Publikation
07.12.2022

Autorinnen / Autoren
Zoé Jana Schierholz


Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde


Zusammenfassung

Die voranschreitende Klimakrise sowie die Folgen intensiver industrieller Bewirtschaftung stellen Landwirte und Landwirtinnen in Deutschland vor die Herausforderung, ihre tägliche Praxis zu hinterfragen und nachhaltig zu transformieren, um weiterhin stabile Erträge zu erzielen (vgl. Lakner et al. 2021). Moderne Agroforstsysteme – Die Kombination des Gehölzanbaus mit Ackerkulturen oder Weidewirtschaft – sind eine Lösung, um z.B. die Fruchtbarkeit der Böden langfristig zu stärken und dabei die Flächenproduktivität zu steigern (vgl. Zehlius-Eckert et al. 2020, S. 7–10; Böhm et al. 2020a, S. 77). Im Zentrum der Forschung stehen derzeit die ökologischen Mehrwerte und Parameter der landwirtschaftlichen Erzeugung. Die Möglichkeiten einer Wertschöpfung mit den Erzeugnissen aus den Systemen sind bisher wenig untersucht (vgl. European Agroforestry Federation o. D.; Deutscher Fachverband für Agroforstwirtschaft 2022b). Dennoch wird die finanzielle Attraktivität der Agroforstwirtschaft als wesentlich für die Verbreitung der Systeme in Deutschland erachtet (vgl. Böhm und Veste 2018, S. 516 f.). Die vorliegende Arbeit widmet sich daher der Frage, wie moderne Agroforstsysteme in Deutschland in Wert gesetzt werden können. Zur Beantwortung dienten theoretische Grundlagen zur Wertschöpfung nach Porter (1998) und Freeman (1984) sowie Modelle zur Wertschöpfung mit ökologischen Mehrwerten nach Biedermann et al. (2014), Schaltegger und Lüdeke-Freund (2013) und Nuppenau (2019), die durch neun qualitative Experteninterviews ergänzt wurden. Die Stichprobe der Experten und Expertinnen ergab sich aus der quantitativen Analyse einer öffentlichen Karte des Deutschen Fachverbands für Agroforstwirtschaft (2022). Sie umfasst mehrheitlich landwirtschaftliche Praktiker:innen, deren Gehölze zur Obst- und/oder Nussproduktion dienen sollen, aber auch Verarbeiter:innen und Vermarkter:innen von Produkten aus Agroforstsystemen oder regenerativer Landwirtschaft. Die Ergebnisse legen den Schwerpunkt auf die Verarbeitung und Vermarktung. Die Besonderheiten bei der Wertschöpfung mit Agroforstprodukten ergeben sich aus kleineren Erntemengen der Gehölzstreifen und in Abhängigkeit zur Art des Systems aus hoher Sortenvielfalt. Die Analyse ergab sechs zentrale Handlungsempfehlungen: die eigene Vernetzung, um Zugang zu Partnern und Partnerinnen sowie Erfahrungswissen zu erlangen; Mut, neue Wege nicht nur im Anbau, sondern auch in der Produktentwicklung zu gehen; Formen der Direktvermarktung und Vermarktung immaterieller Erzeugnisse wie der Ökosystemdienstleistungen zu entwickeln und zu nutzen sowie die aktive visuelle Verbraucherkommunikation und politische Förderprogramme zum Aufbau von Wertschöpfungsketten.

Mots-clés

Wertschöpfung, Experteninterviews, Verarbeitung und Vermarktung, Verbraucherkommunikation

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