Aufbau eines solidarischen Permakultur-Gemeinschaftsgartens und Fallstudie zur Wirtschaftlichkeit von Permakultur
Publikation
12.01.2024
Autorinnen / Autoren
Dario Principi
BFH-HAFL
Zusammenfassung
Die globale Landwirtschaft muss in Zukunft eine grössere Menge an Nahrungsmitteln produzieren und zugleich den Ressourcenverbrauch und die Umweltbelastung reduzieren. Die Permakultur stellt einen Lösungsansatz für diese Herausforderung dar, indem sie die Bedürfnisse der Menschen und diejenigen der Natur in Einklang bringt. Der Ansatz der Permakultur erlaubt, unter Berücksichtigung der natürlichen Voraussetzungen und mithilfe verschiedener Planungswerkzeuge, Produktionssysteme zu erschaffen, welche bei tiefem Ressourcenverbrauch hohe Erträge abwerfen. Im Rahmen dieser Masterarbeit wird in Meikirch BE auf den Flächen eines Landwirtes zusammen mit der Dorfbevölkerung ein solidarisches Permakultur-Projekt aufgebaut. Ziel ist es, dass die beteiligten Personen eine Teilselbstversorgung mit Gemüse, Obst und Beeren erreichen können. Neben dem Projekt in Meikirch wurde in Lüsslingen-Nennigkofen SO eine Fallstudie zur Wirtschaftlichkeit von Permakultur in den Jahren 2021-2023 durchgeführt. Das untersuchte Produktionssystem wurde im Jahr 2020 geplant und umgesetzt. Die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung setzt direkt an die Umsetzung an und erbringt somit eine lückenlose Aufzeichnung der Wirtschaftlichkeitsdaten. Die Forschungsfragen der Fallstudie lauten: Kann Permakultur ein zu anderen Betrieben vergleichbares Einkommen ergeben? Welche Permakultur-Elemente eignen sich, um die Systementwicklungsphase zu überbrücken? Die vorliegende Arbeit beschreibt, wie in Meikirch auf der Grundlage der vorhandenen Ausgangslage und unter Berücksichtigung der Wünsche der beteiligten Personen eine umfassende Grob- und Detailplanung nach Permakultur-Grundsätzen erarbeitet wurde. In den Jahren 2021-2023 wurde ein funktionierender Gemeinschaftsgarten mit rund 20 aktiv involvierten Personen aufgebaut. In Zusammenarbeit mit dem Betriebsleiter und den beteiligten Personen konnte die Frage rund um eine passende Rechtsform und die Art der Zusammenarbeit in der Gruppe beantwortet werden. Der Gemeinschaftsgarten bleibt auch über die Masterarbeit hinaus bestehen und wird im folgenden Jahr (2024) weitergeführt. Die Fallstudie zur Wirtschaftlichkeit von Permakultur hat ergeben, dass der Arbeitsverdienst, welcher in der Permakultur erwirtschaftet wurde, vergleichbar mit dem Arbeitsverdienst auf anderen Betrieben in der Schweizer Talregion ist. Die Ergebnisse der drei Untersuchungsjahre sind jedoch sehr unterschiedlich ausgefallen. Der Arbeitsverdienst im ersten Jahr (2021) lag leicht über dem Arbeitsverdienst der Talregion und der Arbeitsverdienst im zweiten Jahr (2022) leicht darunter. Der Arbeitsverdienst im dritten Jahr (2023) lag jedoch deutlich unter denjenigen der ersten beiden Untersuchungsjahre. Die Ergebnisse der Fallstudie deuten darauf hin, dass die Planung und Umsetzung der Fläche die Ergebnisse in den ersten zwei Jahren positiv beeinflusst hat. Im dritten Jahr ging der Gesamtertrag im System leicht zurück und zugleich erfolgten wieder neue Investitionen in die Fläche, was die Arbeitsstunden erhöht und somit den Arbeitsverdienst pro Stunde reduziert hat. Die Untersuchung der einzelnen Elemente hat gezeigt, dass Mischungen aus verschiedenen Beeren gut geeignet sind, um die ersten zwei Jahre der Systementwicklungsphase zu überbrücken, da sie ihren Vollertrag in diesem Zeitraum entfalten. Wie der Einbruch des Arbeitsverdienstes im dritten Untersuchungsjahr zeigt, fehlen im System Elemente, welche ihren Vollertrag im 3. bis 5. Jahr entfalten. Die Analyse der Resultate zeigt, dass Kulturen wie Spargel und Niederstammobst geeignet sind, um diese Phase zu überbrücken. Der Anbau von konkurrenzstarken einjährigen Kulturen wie Kürbis kann helfen, einen regelmässigen Ertrag im System zu gewährleisten. Die Resultate der Wirtschaftlichkeitsuntersuchung zeigen erstmals unter Schweizer Bedingungen, dass Permakultur ein rentabler Betriebszweig mit vergleichbarem Arbeitsverdienst sein kann. Die Resultate lassen die Frage offen, ob der Einbruch des Arbeitsverdienstes im dritten Untersuchungsjahr auf die neuerlichen Investitionen zurückzuführen ist oder ob der tiefe Arbeitsverdienst ein Trend ist, der sich fortsetzt. Die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung auf der Fläche wird im Rahmen eines Forschungsprojekts zur Wirtschaftlichkeit von Permakultur noch mindestens ein Jahr weitergeführt.
Mots-clés
Permakultur, solidarische Landwirtschaft, Nachhaltigkeit, Fallstudie
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